Vanishing Point - Regina Hügli

Der Text wurde von Regina Hügli im Rahmen des Projektes Sharing Water verfasst.


In der Serie Vanishing Point werden Abbildungen von Wetterphänomenen aus digitalen Archiven verwendet, collagiert, manipuliert und als Diazotypie belichtet.

Die Ansammlung von Bildinformation in digitalen Archiven ist materieller Ausgangspunkt und auch inhaltlicher Einstieg der Arbeit. Der Verwertungszweck der Einzelbilder in diesen Archiven ist oft fraglich, da sie in verschiedenen Zusammenhängen gesammelt wurden oder sogar durch beiläufiges Handeln willkürlich entstanden sind. Eine wissenschaftliche Nutzung der Daten ist damit nicht gegeben.

Mit den Wetterbildern der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Association, USA), einer umfangreichen digitalisierten Sammlung von Wolkenformationen und Naturereignissen, begibt sich Schmirl in eine Welt von beiläufig festgehaltenen Bildern von ephemeren Erscheinungen. Schnappschüsse von vorbeiziehenden Wolken – gesammelte Datensätze, die sich keinem Zweck erschließen, außer demjenigen eines ästhetischen Produkts, das möglicherweise ein poetisches Phänomen darstellen kann.

Hier setzt die Arbeit Vanishing Point an – das Resultat einer sehr persönlichen Sichtung des vorgefundenen Bildmaterials. Im dialogartigen Prozess zwischen Material und Künstlerin erhalten die Bilder Strukturierung, Überarbeitung, Richtung, – Sinn -, was sie aus dem Zufälligen des Archivs herauslöst. Das Spiel zwischen Festhalten und Loslassen, Verschwinden lassen, das gedanklich sowohl beim Beobachten von Wolken wie auch Archiven auftauchen kann, ist in Vanishing Point auch materiell angelegt. Die bearbeiteten, collagierten Wetterfotografien werden als handgemachte Whiteprints (Diazotypien) ausbelichtet und sind damit Unikate. Die Phenole in Diazotypien reagieren jedoch mit Sauerstoff, und führen zu einer langsamen Entfärbung. Den Bildern ist damit ein Alterungsprozess eingeschrieben, der je nach Lagerung/Rahmung aufgehalten werden kann, oder zu einer vollständigen Auflösung führen kann.

Das Beobachten von Systemen ist künstlerische Herangehensweise von Elisabeth Schmirl, die Analogien zwischen natürlichen Kreisläufen wie dem Wasserkreislauf und menschengemachten Systemen in Produktion und Entsorgung oder auch digitalen Systemen verfolgt. Sie sieht die künstlerische Praxis gemeinsam mit der wissenschaftlichen Forschung dazu befähigt, die ständig sich vermehrenden Hinterlassenschaften der vorwärts gerichteten Produktionswelt zu beobachten und kritisch zu hinterfragen.

 

 

 

Aus der Reihe: Vanishing Point, 123 x 93 cm  Whiteprints, (Diazotypie) gerahmt, veränderliches Unikat, 2019;
Aus der Reihe: Vanishing Point, 123 x 93 cm Whiteprints, (Diazotypie) gerahmt, veränderliches Unikat, 2019;
Aus der Reihe Vanishing Point, Die Himmlischen und die Irdischen,  Whiteprints, (Diazotypie) gerahmt, veränderliches Unikat, 2020;
Aus der Reihe Vanishing Point, Die Himmlischen und die Irdischen, Whiteprints, (Diazotypie) gerahmt, veränderliches Unikat, 2020;