Die Werkgruppe Unreadable Stills versammelt eine Reihe gläserner Bildkörper, in denen sich Licht, Farbe und Wahrnehmung überlagern. Ausgangspunkt sind fotografische Motive von Wolken, Geysiren,
Wetterphänomenen – fragile Erscheinungen, atmosphärisch und ephemer. Doch ihre Darstellung widersteht der Abbildung: Sie wird nicht fixiert, sondern geschichtet, gefiltert, gebrochen.
Die Bilder entstehen in einem mehrstufigen Transferverfahren: Mittels Gelatine-Waterslides werden die Motive auf Glas oder Aluminium aufgebracht, anschließend mit dichroitischer Folie hinterlegt,
überlagert oder kombiniert. Die so entstehenden Bildträger reagieren auf Licht und Blickwinkel – sie verändern sich mit der Bewegung der Betrachtenden, zeigen sich in ständigem optischem
Wandel.
Die Arbeiten setzen auf Präsenz statt Repräsentation: Erst im Raum, im Wechsel von Standpunkt, Nähe und Licht entsteht das Bild. Es gibt kein fixes Zentrum, kein statisches Motiv – vielmehr ein
Spektrum von Möglichkeiten, das sich zwischen Farbverschiebung, Lichtreflex und Motivrest aufspannt.
Wahrnehmung wird hier nicht als Durchblick, sondern als Widerstand verhandelt: Was wir sehen, ist kein unmittelbares „Bild“, sondern das Resultat einer Situation – gebrochen, verzögert, abhängig
von Position und Medium. In diesem Sinne sind die Werke nicht einfach visuell, sondern epistemisch. Sie fragen danach, wie sich Wirklichkeit zeigt, wie sie technisch vermittelt, aber auch
körperlich und situativ erfahren wird.
Anders als die flüchtigen, lichtempfindlichen Vanishing Point-Diazotypien sind diese Arbeiten physisch stabil und beständig. Doch sie entziehen sich dennoch der Festlegung. Sie handeln von
Phänomenen, die sich nur in Bewegung zeigen – und bringen diese Bewegung in die Bildfläche selbst. Was sichtbar wird, ist kein endgültiges Bild, sondern ein Zustand: offen, mehrdeutig, abhängig
von Licht, Perspektive und Nähe. Sichtbarkeit ist hier keine feste Eigenschaft, sondern ein Prozess – und jede Betrachtung nur eine Version davon.
die Reihe Unreadable Stills wird in der Titelzeile jeweils durch ein Zitatfragment aus The Wind Gatherer von Tanner Howard gerahmt.
links: 2026 / Unreadable Stills, who is left
But the wind? To sate the fires? To clean the soul? / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 42×30 cm • Unikat,
gerahmt.
rechts: 2026 / Unreadable Stills, I have heard there is a place where broken things go before they are lost. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 42× 30cm • Unikat, gerahmt.
Ausstellungsansicht, Galerie Sophia Vonier, 2026. Foto: Stoltenberg Fotgrafie
2026 / Unreadable Stills, There is enough of it there. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 21×30 cm • Unikat, gerahmt.
2026 / Unreadable Stills, the quiet ways things fall apart. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 42× 30cm • Unikat, gerahmt.
links: 2026 / Unreadable Stills, Do not ask how I know this. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 33×43 cm • Unikat, gerahmt.
rechts: 2026 / Unreadable Stills, The wind never took what he was not given. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 33× 43cm • Unikat, gerahmt.
Ausstellungsansicht, Galerie Sophia Vonier, 2026. Foto: Stoltenberg Fotografie
2026 / Unreadable Stills; I would have to tell you about the stillness of dreams / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 27× 33 cm • Unikat, gerahmt.
2026 / Unreadable Stills - About the names of changing things / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 27×33 cm • Unikat, gerahmt.
2026 / Unreadable Stills, Faith is a liquid thing. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 42×59,5 cm • Unikat, gerahmt.
2026 / Unreadable Stills, I had chased his color through sleeping mountains. Of dreams, oceans of trapped language. / Gelatine-Slide, Glasplatten, Folie, Rahmenobjekt / 42×59,5 cm • Unikat, gerahmt.
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