WORKS
WERKGRUPPEN, BILDZUSTÄNDE, RÄUMLICHE KONSTELLATIONEN
Die Arbeiten von Elisabeth Schmirl entstehen in Werkgruppen. Sie entwickeln sich über längere Zeiträume hinweg und verbinden unterschiedliche Materialien, Verfahren und Bildformen zu jeweils eigenen Zusammenhängen. Die einzelnen Serien stehen für sich, lassen sich aber zugleich als Teil eines fortlaufenden Feldes lesen: einer Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Bildarchiven, Materialität, Instabilität und den Bedingungen, unter denen Bilder überhaupt erscheinen.
Im Zentrum steht nicht das Werk als isoliertes Objekt, sondern das Werk als Relation: zwischen Bild und Träger, Oberfläche und Tiefe, Fundstück und Setzung, Projektion und räumlicher Situation. Viele Arbeiten gehen von digitalisierten Archiven, gefundenen Bildern oder eigenem Material aus und werden durch Übertragung, Schichtung, Fragmentierung und bewusste Imperfektion in neue Lesarten überführt. Bildmanipulation wird dabei nicht verborgen, sondern als stoffliche Qualität sichtbar gemacht.
Eine wiederkehrende Achse ist die Verbindung von Wolken, Wetterphänomenen, Schwebezuständen und veränderlichen Bildträgern. Im Anamnesis-Katalog werden Luminous Clouds, Vanishing Point und Void Volume – Anthropocene Blues ausdrücklich über die „Meteora“ miteinander verbunden: über Himmelserscheinungen, Unschärfe, Flüchtigkeit und Bildträger, die mit der Zeit verblassen oder ganz verschwinden. Besonders in den Diazotypien und Whiteprints wird Zeit nicht nur dargestellt, sondern materiell eingeschrieben; die Arbeiten erscheinen als veränderliche Unikate, deren Auflösungsprozess Teil des Werks ist.
Zugleich öffnen sich die Werkgruppen immer wieder in den Raum. In Installationen und Konstellationen wie Roundabout entsteht Bedeutung nicht allein im Motiv, sondern im Gehen, im Blickwechsel, in Distanz und Annäherung. Bildfragmente fügen sich erst aus bestimmten Winkeln zu größeren Zusammenhängen; Wahrnehmung wird körperlich und zeitlich situiert. Das Werk erscheint so weniger als feste Aussage denn als Situation, die sich im Verhältnis von Betrachter:in, Material und Raum aktualisiert.
Die Arbeiten sind dabei keine rein formalen Untersuchungen. Sie berühren wiederkehrend Fragen nach Erinnerung, Geschichte, Naturaneignung, technologischer Vermittlung, sozialen Inszenierungen und ökologischen wie politischen Zuständen der Gegenwart. Gerade in der Arbeit mit Archiven, Zitaten und umcodierten Bildquellen geht es nicht um Rekonstruktion, sondern um Relektüre: darum, Vergangenes im Heute neu lesbar zu machen und daraus andere Perspektiven auf Gegenwart und Zukunft zu eröffnen.
Die Works-Seite versammelt diese Werkgruppen daher nicht als abgeschlossenes Archiv, sondern als offenes Gefüge. Chronologie bleibt sichtbar, wichtiger ist jedoch die Wiederkehr bestimmter Bewegungen: Verdichtung und Auflösung, De-Kontextualisierung und Neuverortung, Bildwerdung und Entzug, Materialität und Atmosphäre, Fläche und Raum. Die Werkgruppen sind in diesem Sinn eigenständig und zugleich miteinander verbunden — als unterschiedliche Zustände einer fortlaufenden Praxis.
SELECTED / CURRENT
SCHWEBE / WETTER / ERSCHEINUNG
Arbeiten, in denen Sichtbarkeit als Zustand von Licht, Wetter, Schwebe und materieller Erscheinung verhandelt wird.
2026
Licht, Glas und Blick halten das Bild in einer offenen, instabilen Lesbarkeit.
VOID VOLUME - ANTHROPOCENE BLUES
2021
Wetter, Whiteprints und materielle Auflösung treten als veränderliche Gegenwart auf.
2019-20
Wetterbilder und Whiteprints verbinden Sichtbarkeit mit dem Prozess des Verschwindens.
2017
Bildräume, die sich erst im Sehen zwischen Fläche, Verschiebung und Tiefe aufbauen.
2017
Schönheit erscheint hier als zirkulierendes, leicht entrücktes Bildmotiv.
OBJEKT / FUNDSTÜCK / BILDKÖRPER
Arbeiten, in denen Bildträger, Fundstücke und Dinge ihre Bedeutung nicht festlegen, sondern offen halten.
2026
Dinge und Fundstücke kippen aus ihrer Gegenständlichkeit in ein unsicheres Gegenüber.
POEM I
2026
Gelb, Fragment und Rückkehr verdichten sich zu Bildern, die ihren Ursprung nicht festhalten.
EDITIONEN - AERIALIST VARIETIES OF FLIGHT
2020-21
Wiederholung und Variation halten das Motiv in Bewegung, ohne es zu fixieren.
ARCHIV / VERSCHIEBUNG / ERINNERUNG
Arbeiten, in denen Archive, historische Bilder und politische Bildräume durch Verschiebung, Re-Kontextualisierung und Wiederaufnahme neu lesbar werden.
2019-20
Protestbilder verschieben sich vom Ereignis in ein Feld wiederkehrender Gesten.
THE VERSAILLES - WHY ARE WE SITTING HERE AROUND THE CAMPFIRE?
2023
Herrschaftsbilder, Rohstofforte und Materialgeschichte.
2013 - 2016
Eine Arbeit über Zuschreibung, Selbstbefragung und die prekäre Form politischer Lesbarkeit.
2016
Eine Reihe, in der Bildfragmente, politische Imagination und verschobene Zeitlagen erst in ihrer Konstellation lesbar werden.
2016
Eine Arbeit, in der politische Geste und Fragilität dicht nebeneinander liegen.
2016
Ein Bild, in dem Behauptung und leichte Verschiebung nicht ganz zur Deckung kommen.
FIGUR / POSE / BILDZIRKULATION
Arbeiten, in denen Figur, Haltung, Selbstdarstellung und mediale Bildzirkulation als offene, oft instabile Bildordnungen erscheinen.
2014
Gefundene Bilder treten in Konstellationen, die ihren Ursprung nicht sichern.
2013-2014
Erinnerung kippt nach vorn und erscheint als Rolle, Nachbild und Projektion.
2022
Eine Werkgruppe, in der sich Zukunft, Erschöpfung und Restwirklichkeit in knappen Setzungen überlagern
MASKEN UND HÜLLEN/BLENDING AND DRAPING
2006-2011
Oberfläche wird zum Ort von Hülle, Pose und sozialer Codierung.
GEWOHNTE HALTUNGEN/HABITUAL POSTURES
2008-2009
Serielle Bildtypen aus Haltung, Wiederholung und stillem Selbstentwurf.
2006
Aus einem fortlaufenden Bildstrom entsteht ein vielteiliges Porträt zwischen Wiederholung, Blick und Selbstinszenierung.
2007-2010
Licht und Leichtigkeit geben den Bildern offene, zurückgenommene Präsenz.
WEITERFÜHREND
Current / Ongoing — in Arbeit, in Bewegung
Exhibitions — Werkgruppen im Raum
Publications — Texte, Editionen, Bibliography
